Communities – Unheimlich oder sozial?
Saturday, April 26th, 2008
Gestern durfte ich an der Fachtagung: Unheimlich sozial von namics dabei sein. Es ging darum zu erfahren was eigentlich Communities sind und wie sie funktionieren. Meine Eindrücke und Erfahrungen hier nieder zuschreiben geht eigentlich ganz einfach, denn ich darf auch die Gedankenstütze im namics Blog zurückgreifen. Wie immer stellt sich der Chef Jürg Stucker als Live-Blogger zur Verfügung und fasst die Vortrag im Blog zusammen.
Marken, Menschen, Communities
Silvio Strübi von echolot sehr schön und eindrücklich vor Augen geführt wie Communities entstehen, bzw, wie man diese definieren kann. Sein Vortrag handelt davon, dass ein soziales Netz um eine Marke entstehen kann. Wie man Menschen zu der Community bewegen kann, dazu gibt es einige Faktoren welche man berücksichtigen kann:
- Storytelling
- Commitment der Mitarbeiter
- Partizipation des Kunden
- Iconic Design
- Soziale Verantwortung
- Ich bin in Deiner Nähe: Lokale Verankerung
- Belohnung
- Unterstützung von Faszination
- Anti-Brand
- Menschlichkeit
Man darf aber auch nie vergessen, dass eine Community nicht zwingend im Internet entstehen muss. Eigentlich ist es viel mehr so, dass mögliche Communities da draussen bereits bestehen. Bloss wurden die Bedürfnisse nie erkannt.
Leider sind genau zu diesem sehr interessanten Vortrag die Slides nicht verfügbar. Darin sind nämlich Teile enthalten, welche demnächst in einer grösseren Arbeit oder in einem Buch veröffentlicht werden. ich bin gespannt. Ich versuche aber mit Silvio Strübi in Kontakt zu bleiben und zu erfahren was da genau passiert.
Communities haben Spielregeln
Henning von Vogelsang (namics rot weiss) erklärt wie die Communities ticken und was es zubeachten gibt. Gerade folgende zwei Punkte spielen eine sehr wichtige Rolle:
Bedürfnisse: Die Bedürfnisse sind real, sie können nicht künstlich gezüchtet werden.
Authentizität: Die Glaubwürdigkeit der Erfüllung eines Bedürfnisses ist genauso wichtig.
Auch wenn eine Community von einer Firma, von einem Brand ins Leben gerufen wurde, es gilt die Menschen in der Community ernst zu nehmen und deren Wünsche und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Wenn beispielsweise in der Community eine Abstimmung statt gefunden hat, dann muss das Ergebnis auch akzeptiert werden. Weiter erklärt Henning folgende Spielregeln:
- Verhalten
- No Nerds
- Leidenschaft
- Gehalt
- Offenheit
- Ehrlichkeit
- Selbstorganisation
Die Slides dazu, sowie weitere Ausführungen gibt es im Blog von namics.
Andreas Fischler (namics) erklärt danach, dass man unter den richtigen Voraussetzungen auch die Masse in der Community für sich arbeiten lassen kann. Das ganze nennt sich dann Crowdsourcing. Aber Vorsicht, auch hier gibt es wieder Spielregeln die beachtet werden müssen:
- Die Aufgabe muss „remote“ erledigt werden können, denn die „Crowd“ ist verteilt über die ganze Welt
- Die Crowd hat eine kurze Aufmerksamkeit-Spanne: Aufgaben sollten so aufgeteilt sein, dass sie pro Person max. 30 Minuten in Anspruch nehmen.
- Die Crowd produziert enorm viel Ausschuss: Die grosse Menge an Input verbessert nicht automatisch die Qualität des Inputs! Das Konzept für die Filterung der wertvollen Inputs aus der Crowd muss gut durchdacht sein!
- Die Crowd findet die beste Lösung meistens selbst (wikipedia, amazon, youtube)
- Nutze die Crowd niemals aus, sei ehrlich und fair. Gib denen Anerkennung und Auszeichnung denen die Ehre gebührt.
Fallbeispiele
Nachdem wir alle die sehr gute Theorie geniessen durfte ging es los mit einigen Fallbeispielen. Zuerst hat Herr Harry Graf (Leiter Corporate Communications vom Zürich Energie-Versorger ewz) das digitale Kundenmagazin powernewz vorgestellt. Für eine so schwerfällige Firma mit sehr unterschiedlichen Kunden in allen Altergruppen mag das ein tolles Projekt sein. Fakt ist, es ist ein Magazin-Blog mit Kommentarfunktion… Punkt! Mit sehr viel Aufwand (Redaktion, Video-Beiträge, Wettbewerbe) und noch grösseren Werbekampagnen wurde auf powernewz aufmerksam gemacht. Leider kamen bis zum April aber gerade nur einemal 15 Kommentare zusammen… (Folien)
Auf das Beispiel von Lovepeace habe ich mich gefreut. Nicht weil es ein Greenpeace Projekt ist, sondern weil ich die Werbespots sehr stark finde:
Die Community wurde mit der bestehenden Lösung Dolphin von Boonex realisiert. Eigentlich wollte ich mir Dolphin schon lange einmal etwas genauer anschauen, jetzt habe ich noch einen Grund mehr. Die Führung durch die Community zeigt all die bereits verfügbaren Funktionen und Möglichkeiten. Interessant ist, dass man bei Lovepeace Musik raufladen kann. Wie das aber rechtlich mit der SUISA geklärt wurde, konnte uns auf die Schnelle niemand beantworten. (Folien)
Fazit
Alles in allen war es ein guter Nachmittag in Zürich. Besonders der theoretische Teil hat überzeugt. Bei den Fallbeispielen wurde es dann jedoch langweilig. Das mag daran liegen, dass es noch keine Boom-Amazing-Community aus der Schweiz gibt. Vielleicht aber bin ich in diese Richtung schon verdorben und erwarte etwas Extraterrestrisches! Den beiden jüngeren namics-Referent sei noch gesagt, die Hälfte der “äh” und “ähm” hatten auch genügt… =)
Ich danke aber für die bekannte namics-Gastfreundschaft und freue mich auf weitere interessante Fachtagungen und Vorträge aus dem Hause namics!
[...] Renato, Namics, Jürg, Thomas, Kuschti, Doris, Rockgöre, Falki, Daniel, Roger, Jürg, Patrick, Dirk, [...]
Danke für den ausführlichen und ehrlichen post :-). Dass du meinen Crowdsourcing-Teil zum “Theorie-Teil” dazugezählt hast, find ich eigentlich auch ganz nett ;-))