
Heute Abend hab ich mir die Sendung “Digitale Gefahren” in der Rundschau im Schweizer Fernsehen angeschaut. Mich hat es interessiert, wie das Schweizer Fernsehen 13 und 14 Jährige zum Thema Facebook interviewt hat. Ich wollte mir eine weitere Meinung einholen neben den Erfahrungen welche ich persönlich in diversen Schulen gemacht habe. Es zeigt in etwa das gleiche Bild.
Die Privatsphäre-Einstellungen sind bekannt!
Auch aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Jugendlichen die Privatsphäre-Einstellungen sehr genau kennen. Die meisten zeigen Ihren Bilder nur den Freunden. Hingegen werden Freundesanfragen sehr rasch angenommen und nicht wenige junge Mädchen haben rasch über 1000 Freunde. Nicht immer ist bekannt wer dahinter steckt…
Hingegen denkt kaum einer der Jugendlichen daran, dass einer der vermeintlichen Freunde Bilder und Statusmitteilungen als Screenshot sichern und selber weiterverbreiten kann. Dann vielleicht nicht mehr im vermeintlich geschlossenen Facebook, sondern in einem Forum wo man sich über Leute und Facebook-Meldungen lustig macht.
Die Privatsphäre-Einstellungen werden völlig überschätzt und nutzen eigentlich gar nichts mehr, wenn man in der Annahme von Freundschaftsanfragen nicht sehr wählerisch bleibt! Gerade auch bei den Schülerinnen und Schüler können vermeintliche Freunde plötzlich zu den ärgsten Feinden werden, weil man jemandem die erste Liebe ausgespannt hat. Nicht selten folgt dann ein Cyber-Mobbing-Krieg!
Cyber-Mobbing und Bullying
Fast jeder Jugendlich wurde schon mal auf dem Pausenplatz gemobbt, beleidigt und ausgelacht. Das fand dann in einem Kreis von 10 Personen statt. Man konnte dem relativ einfach entkommen. Wenn jetzt aber acht Personen ein wahres Feuerwerk an Beleidigungen auf der Pinnwand einer Person starten, können das alle Freunde sehen und die Peiniger bekommen vielleicht noch Rückendeckung weil man es mit den Redelsführer nicht vergeigen will… Es gab schon zu viele Beispiele von Jugendlichen welche sich das Leben nehmen wollte und es teilweise auch geschafft haben, weil innert einem Tag über 3000 Hass-Meldungen mit Drohungen und Beleidigungen eingetroffen sind!
Geschriebene Beschimpfungen führen zu Bussen!
Cyber-Mobbing, Cyber-Bullying, Drohungen und Beleidigungen im Internet sind längst kein Kavaliersdelikt mehr. Mitte Jahr wurden drei Personen in St. Gallen zu einer Geldbusse zu je CHF 300 verurteilt, müssen die Verfahrenskosten von CHF 1200 tragen und bekommen einen Eintrag im Strafregister und eine Bewährungszeit von zwei Jahren. Und warum, weil man einen Mann mit Namen auf Facebook beleidigt und bedroht hat. Dinge wie “trauriger Seckel” sind nun mal Beleidigungen und “ich bring Dich um”, “ich schlage Dich” oder “ich zünde Dein Haus an” sind Drohungen. Schriftliche Drohungen welche klar nachgewiesen werden können. Hätte man das beim vorbeigehen gesagt, würde es dem Kläger schwer fallen den beweis der Beleidigungen zu erbringen und es würde wohl rasch unter den Teppich gekehrt werden. Weil es aber auch für unbeteiligte auf längere Zeit einsehbar ist, wird es schwerer gewichtet. Eine der Angeklagten zieht das Urteil weiter vor’s Bundesgericht. Sicher nicht wegen dem Geld, sondern wegen dem Eintrag im Strafregister. Denn damit kommt man nur schwer an eine eigene Wohnung, an einen Job bei einer Bank oder an einen Kredit.
Aufklärung ist gefragt!
In den Schulen soll ein zusätzliches Fach Medienkompetenz eingeführt werden. Bei einigen Schulen ist das schon der Fall, andere Lehrerinnen und Lehrer bringen das Thema von sich aus auf den Tisch, meistens weil es bereits einen Vorfall gab. Medienkompetenz soll mit dem Lehrplan 21 ab 2014 fester Bestandteil des Unterrichts sein. Leider wehrt sich im Moment die ehemalige Bauernpartei SVP stark dagegen. An einigen Schulen wird der theoretische Umgang mit den Medien also bereits thematisiert. Der Umgang damit ist aber Privatsache und nicht die Aufgabe der Schulen das zu kontrollieren!
Auch Eltern müssen Medienkompetenz erlangen
Weil Facebook eine private Sache ist, müssen die Eltern die Tätigkeiten Ihrer Kinder überprüfen und nicht die Lehrerinnen und Lehrer. Damit die Eltern das kompetent tun können, müssen Sie die Möglichkeiten und Gefahren der digitalen sozialen Netzwerke kennen! Eltern müssen das Thema Facebook und Co. mit Ihren Kindern thematisieren und das Vertrauen der Jugendlichen gewinnen, so dass diese auch den Eltern gerne Einblick in ihr Facebook-Leben geben. Nur so kann man den Kinder beibringen, dass es wahrscheinlich nicht die beste Idee ist ein Foto mit halb-nackter Pose und einer Waffe im Internet zu veröffentlichen…
Wozu das führen kann, zeigt die Bundes-Kampagne “Geschichten aus dem Internet, die man selber nicht erleben möchte“. Ein vermeintlich harmloses Bild an den Freund kann plötzlich bei der Jobsuche Probleme machen und viele weitere unangenehme Geschichten… Weitere gute Tipps und Tricks gibt es im Medienkompass 1 und Medienkompass 2. Vielleicht kennt Ihr noch weitere gute Links zu aufklärenden Informationen welche den Lehrerinnen, Lehrer und Eltern helfen die nötige Medienkompetenz zu erlangen… Dann teilt diese via Kommentarfunktion unten mit den anderen Leserinnen und Leser.
Es gibt zu viele Leute da draussen, welche beim Umgang mit den neuen Medien total überfordert sind. Mein persönliches Ziel ist es möglichst vielen Leuten zu ersparen ein schmerzhaftes Lehrgeld zu bezahlen. Ich helfe und kläre auf wo ich kann. Das sollten wir alle, welche sich in dem Medium sicher fühlen, tun.